Wie ein „Wonderland“ zur Hölle wird

Lokalmatadorin Christina Stein stellte der Q 1 ihren gleichnamigen Thriller vor / Perfides Reality Game kennt nur Sieg oder Niederlage

Mit dem Besuch der Eltviller Autorin Christina Stein ist das Lesefest Rheingau-Taunus in seine nächste Runde gegangen. Die Lokalmatadorin stellte der Jahrgangsstufe Q 1 ihren packenden Thriller „Wonderland“ vor – und bewies den Oberstufenschülern eindrucksvoll, dass sich ein vermeintliches „Wunderland“ ganz rasch als Hölle auf Erden entpuppen kann.

Dabei beginnt in Steins Thriller zunächst alles ganz harmlos. Lizzy und ihre Freunde Nelli, Colin, Amelie und Benjamin reisen nach Thailand. Sonne, Palmen, eine Villa am Strand – alles scheint perfekt zu sein. Dass ihr Gastgeber Jacob, zu dem sich die junge Studentin rasch hingezogen fühlt, allen Fragen zu seiner Herkunft ausweicht, kommt ihr zwar ein wenig komisch vor. Doch die traumhafte Umgebung – der perfekte weiße Sandstrand, das schöne Zimmer mit Meerblick - nimmt Lizzy zunächst ganz in Beschlag. Erst allmählich kommen ihr erste Zweifel:  „Vielleicht ist das gar kein Wunderland, this could be hell, warum nicht raus hier und zurück zu dem, was man kennt: Reihenhaus oder ein normal schönes Hostel mit normal schönen Zimmern, die man sich teilt, und Duschen, in denen normal viele Haare kleben.“

Wie recht sie hat, wird ihr am Morgen nach einer wilden Strandparty klar: Als sie aufwacht, ist die junge Studentin mit ihren Freunden mitten im Dschungel gefangen, aus einem unsichtbaren Lautsprecher ertönt Marschmusik und eine  mysteriöse Stimme befiehlt ihnen, sich in einer Reihe vor dem Tor aufzustellen. Ihre Ansage lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: „Willkommen bei unserem Opferspiel! Ihr sei alle etwas Besonderes: jung, gesund, gutaussehend. Wir wollen herausfinden, wer von euch am stärksten ist. Ab sofort muss jeden zweiten Tag einer von euch geopfert werden. Entscheidet euch bis morgen früh, wer als Erster geopfert wird. Solltet ihr bis zur Mittagszeit keine Entscheidung treffen, nehmen wir euch diese ab. Der Gewinner des Spiels wird reich belohnt.“

Glaubt Lizzy zunächst noch an einen blöden Scherz, so wird ihr in der Folge rasch klar, dass sie in einem perfiden Reality Game gefangen ist, das nur Sieg oder Niederlage kennt. Ihre eigenen Karten sind dabei von Beginn an schlecht: Ohne ihre dringend benötigten Herzmedikamente kann sie nicht lange überleben.

Nach ihrem Erstling „Stumme Angst“ (2014) hat Christina Stein mit ihrem atmosphärisch dichten Thriller „Wonderland“, der im S. Fischer Verlag erschienen ist, erneut voll überzeugt. Ihr beängstigend realistisches Werk über menschliche Abgründe zeigt eindrucksvoll, dass nur Liebe und Freundschaft imstande sind, uns vor uns selbst zu retten.                

 

Text: Lothar Wiesemann

14.12.2016