Mal nachdenklich, mal heiter: „White Horse Theatre“ am Gymnasium Eltville

In gewohnter Qualität führten vier junge englische Schauspieler des Londoner White Horse Theatre am Gymnasium insgesamt drei Stücke jeweils für die Unter-, Mittel- und Oberstufe auf.

Das Unterstufenstück „The Slug in the Shoe“ erzählte in leicht verständlichem Englisch die Geschichte zweier alleinerziehender Eltern mit ihren beiden Kindern, die erst seit kurzem Nachbarn geworden sind. Während die Dreizehnjährigen Luke und Megan, obwohl sie in die gleiche Klasse gehen, überhaupt nichts miteinander anfangen können (in einem gewissen Alter finden Jungen und Mädchen sich gegenseitig einfach nur blöd), verlieben sich ihre Eltern Jack und Nina ineinander. Die Vorstellung, dass sie irgendwann in einer Familie zusammenleben könnten, ist für die beiden Kinder so grauselig, dass sie sich verbinden, um ihre Eltern mit allerlei für das Publikum sehr lustigen, für die Eltern aber recht unangenehmen Streichen (darunter auch die titelgebende Nacktschnecke in Ninas Schuh) gegeneinander aufzubringen. Dies gelingt zunächst, doch am Ende fliegt der Schwindel auf, die beiden Eltern versöhnen sich und auch die beiden Kinder finden einander nach all den gemeinsam ausgedachten Streichen gar nicht mehr so fürchterlich…

Das Mittelstufenstück „Promised Land“ thematisierte dann in durchaus beeindruckender und stellenweise beklemmender Realitätsnähe das gerade sehr aktuelle Thema „Flüchtlinge“: Nach einer traumatischen Flucht gelangt der junge Syrer Ravi, dessen Vater im Bürgerkrieg getötet wurde, zusammen mit seiner Mutter ins gelobte Land Großbritannien, nur um dort auf die rechtsradikale Gough Street Gang zu treffen, deren Mitglieder ihm das Leben zur Hölle machen. Erst als es Ravi gelingt, mit Fiz, einem Mädchen aus der Gang ins Gespräch zu kommen, beginnt diese - und später auch ihre Freundin Snoz – Ravi als Mitmenschen wahrzunehmen und zu respektieren. Einzig Jaz, der Anführer der Gang, bleibt in seinem Hass gefangen, isoliert sich aber dadurch von allen anderen. Ravi kann seiner Zukunft in Großbritannien mit größerem Optimismus entgegensehen.

Für die Oberstufe  gab es schließlich mit „Romeo and Juliet“ von William Shakespeare noch den Klassiker schlechthin. Die Geschichte ist bekannt: Die jungen Liebenden scheitern am Hass ihrer Familien und an den Widrigkeiten des Schicksals und sterben in Liebe vereint. Ihr Tod gibt immerhin Grund zur Hoffnung, dass der Hass am Ende überwunden werden kann.

In diesem wie in den beiden anderen Stücken beeindruckten die jungen Akteure mit unglaublicher Virtuosität und Wandlungsfähigkeit und wurden für ihre schauspielerischen Leistungen mit großem Beifall bedacht. Im Anschluss erklärten sich die Schauspieler noch bereit, in den einzelnen Klassen zu hospitieren und sich den interessierten und kritischen Fragen und Anmerkungen der Schülerinnen und Schüler zu stellen.

Text:           HJ.Molsberger

Bilder:        Jannik Kuhlmann