Auf der Flucht vor Gangstern, der Polizei und dem eigenen schlechten Gewissen

Autorin Dorit Linke stellte Fünftklässlern ihr Buch „Fett Kohle“ vor / Lange Schlange beim Signieren der gekauften Bücher

Nein, tauschen möchte man mit Niklas wirklich nicht. Dabei hatte alles scheinbar so verheißungsvoll begonnen. Als der Schüler aus dem Fenster seines Kinderzimmers an der Berliner Schillerpromenade schaut, sieht er, wie ein weißer Lieferwagen vorbeirast, sich dabei ein Autofenster öffnet und eine Tasche herausfliegt. Ein Polizeiwagen folgt. Neugierig, wie Jungs seines Alters nun einmal sind, fischt Niklas die braune Ledertasche aus einem Container. Als er bemerkt, dass er auf einen Batzen voller Geld gestoßen ist, beginnen seine Probleme erst richtig. Einerseits scheint das Geld die Antwort auf die pekuniären Probleme seiner Familie zu sein, andererseits stellt sich rasch heraus, dass ihm die Beute aus einem Banküberfall in die Hände gefallen ist. Plötzlich sind Niklas und sein Freund Felix auf der Flucht vor fiesen Gangstern und der Polizei, und auch das eigene schlechte Gewissen macht ihnen zu schaffen. Darf man das Geld wirklich behalten oder muss es nicht doch der Bank zurückgegeben werden?      

Die gespannte Aufmerksamkeit der Fünftklässler bewies, dass die Rostocker Autorin Dorit Linke mit ihrem Jugendbuch „Fett Kohle“ erneut ein glückliches Händchen bewiesen hat. Ihr hoch gelobtes Debüt, der Roman „Jenseits der blauen Grenze“, hat die 44-Jährige bundesweit bekannt gemacht und nicht nur Lesefest-Organisatorin Sabine Stemmler überzeugt, was sich vor allem im Anschluss an die Lesung zeigte. Hier ergab sich eine muntere Fragerunde. Die Fünftklässler wollten von Dorit Linke u.a. wissen, welche Beziehung sie zum Schauplatz ihres Jugendbuchs habe. Die Autorin verriet, dass sie selbst viele Jahre in Berlin-Neukölln gelebt habe. Die Protagonisten ihres Werks seien im Übrigen typische Neuköllner Jungs, vielleicht seien sie ihr daher auch so ans Herz gewachsen. Auf die Frage, ob demnächst bereits ein neues Buch von ihr erscheine, antwortete die gebürtige Rostockerin ausweichend. Derzeit sei sie damit beschäftigt, ein paar Ideen zu sammeln, verriet sie.

Dass das Werk der sympathischen Autorin den Fünftklässlern gefallen hat, bewies die lange Schlange am Stand der Bücherstube Lauer nach dem Ende der Lesung. Kaum hatten sich die Schüler ihr Exemplar gesichert, mussten sie erneut anstehen – dieses Mal, um ein Autogramm von Dorit Linke zu ergattern.

Text: Lothar Wiesemann

Fotos: Ulf Daniel

 

 

 

05.11.2015