Der Einzelne und die Gesellschaft – ein Literaturabend der Deutschleistungskurse Q2 und Q4

„Der Einzelne und die Gesellschaft“ – unter diesem Leitsatz stand der literarische Abend, den die Deutsch-Leistungskurse der Q2 und Q4 des Gymnasium Eltville am 7.5.2015 veranstalteten.

Nach mehreren Wochen der Vorbereitung konnten die Schülerinnen und Schüler auf der Bühne des Atriums endlich zeigen, wie sie die Unterrichtsinhalte zu den Themen Lyrik der Romantik und des Expressionismus, zu Friedrich Schillers Drama „Die Jungfrau von Orléans“, zu Johann Wolfgang von Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“ und zu Georg Büchners Erzählung „Lenz“ aufbereitet hatten, um sie ihrem Publikum zu präsentieren: Annabel Hartl und Yamina Mosch widmeten sich der romantischen Lyrik. Annabel setzte Eichendorfs „Das Zerbrochene Ringlein“ mit eigenen Strophen fort, Yamina trug einen inneren Monolog zu Clemens Brentanos „Der Spinnerin Nachtlied“ vor. Zum endgültig gelungenen atmosphärischen Einstieg wurden diese Beiträge durch die gegenseitige Begleitung am Klavier. Der Höhepunkt vor der Pause – in der sich das Publikum mit Brezeln, Spundekäs oder Spießen und einem guten Rheingauer Tropfen stärken konnte – war das moderierte Theaterspiel zu Schillers „Die Jungfrau von Orléans“. Die Schüler zeigten anhand ausgewählter Sequenzen das dramatische Geschehen um die französische Ikone Jeanne d’Arc. Einen besonderen Charakter bekam diese Inszenierung durch das Auftreten einer Schiller-Figur, die das Werk, das Schaffen Schillers und die Handlungen der Schauspieler kommentierte. Hervorzuheben sind hier die Leistungen von Tabea Jurka als „Johanna“ und die von Luca-Dorian Straub als „Schiller“. Das Spiel von Luca hatte durch die Anlage der Figur durchaus Anklänge an Brechts Theater.

Nach der Pause ging es mit Büchners „Lenz“ weiter. Ausgehend von einer Videosequenz und einem Vortrag zum Thema „Schizophrenie“ boten die Schülerinnen der Q4 über Standbilder bzw. Statuen und ausgewählte Textstellen Interpretationsmöglichkeiten zum „Lenz“, die das Oberthema „Der Einzelne und die Gesellschaft“ anschaulich illustrierten. Im Anschluss stand die Lyrik des Expressionismus im Zentrum. Alfred Wolfensteins „Städter“ wurde szenisch begleitet rezitiert; Höhepunkt war hier aber das von Johanna Ostermann selbst verfasste Gedicht „Die Masse“, welches zeitgemäß die Bilder- und Formsprache des Expressionismus aufnahm. Diesen Gedanken bzw. Ansatz, das expressionistische Thema „Entfremdung“ in die heutige Zeit zu übertragen, setzte Julié Born in einem nachdenklich zurück lassenden Monolog um und fort. Den Abschluss des Abends bildeten moderierte Schauspiel-/Rezitationssequenzen zu Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“. Der Zuschauer sah Faust im Studierzimmer, beim Osterspaziergang, während des Religionsgespräches mit Gretchen und in der Kerkerszene. Die Schülerinnen haben es durch das Bühnenbild, die Kostüme und die Wahl der Textstellen geschafft, dieses Drama von Weltrang nachvollziehbar und interessant darzubieten.

Allen Schülerinnen und Schülern, die diesen Abend vorbereitet, gestaltet und umgesetzt haben, gilt ein großes Lob. Sie haben gezeigt, was Deutschunterricht auch leisten kann.

Dieses Lob haben die Schülerinnen und Schüler nach dem letzten Vorhang auch von der Schulleiterin Frau Morschheuser erhalten. Schade ist, dass nicht noch mehr Schüler, Lehrer und Eltern dieses Lob hören konnten. Die Veranstaltung der Schüler hätte es verdient.

Die Einnahmen des Abends, der von zahlreichen Eltviller Firmen unterstützt wurde, gehen an das Miale-Schulprojket des Gymnasiums Eltville.


Text: Gunnar Fricke

Fotos: Jannik Kuhlmann