Wie ein einziges Foto alles zerstört

Cybermobbing und Sexting als reale Gefahren: Autor Manfred Theisen präsentierte Achtklässlern seinen Roman „Weil es nie aufhört“ / Schülerin übernahm den Part der gedemütigten Alissa

 

Es scheint ein ganz normales Leben zu sein, das die Achtklässlerin Alissa führt. Zwar hat sie mit ihren Eltern immer mal wieder Ärger wegen ihrer Noten und auch die Beziehung mit ihrem Freund Felix läuft nicht ganz optimal, aber insgesamt hat sie ihr Leben im Griff. Dies ändert sich, als sie auf Facebook Leon Mask kennen lernt. Alissa vermutet, dass er der attraktive Typ ist, den sie zuvor auf dem Rilkeplatz gesehen hat. Sicher sein kann sie sich aber nicht, da Mask sich auch beim Skypen nicht ohne seine allgegenwärtige Maske zeigt. Doch er scheint ihre Sorgen und Nöte zu verstehen, sie ernst zu nehmen.  Was Alissa nicht weiß: Leon Mask filmt mit, als sie ihren Oberkörper bei einem Skype-Chat für ihn enthüllt. In der Folge erpresst er seine Facebook-Bekanntschaft. Als Alissa sich wehrt, initiiert Leon eine Cybermobbingkampagne gegen sie, die dazu führt, dass die Achtklässlerin an ihrer Schule als „Facebook-Schlampe“ bloßgestellt wird.

Mit den Themen Cybermobbing und Sexting traf der Kölner Autor Manfred Theisen, der im Rahmen des Lesefests Rheingau-Taunus am Wiesweg gastierte, genau den Nerv seines Publikums. Mit spürbarem Interesse lauschten die Achtklässler seinen Ausführungen. Während der Lesung assistierte ihm die Achtklässlerin Johanna, die spontan bereit war, den Part der Alissa zu übernehmen und auf überzeugende Art und Weise die Gedanken der gedemütigten weiblichen Protagonistin vortrug. Nicht zuletzt Johannas Einsatz trug dazu bei, ihren Mitschülern die Probleme, mit denen die gleichaltrige Alissa konfrontiert wird, noch eindrücklicher vor Augen zu führen.  Zumal Theisen seinen Zuhörern verdeutlichen konnte, dass auch sie sich durch ihren Umgang mit elektronischen Medien in Gefahr befänden. Durch „WhatsApp“ sei quasi jeder Nutzer mit allen anderen vernetzt – und somit kontrollierbar. Keiner dürfe sich übrigens darüber wundern, wie leicht Handys auszuspionieren seien. Bis in die große Pause hinein lauschten die Achtklässler dem ehemaligen Journalisten, der auch komödiantisches Talent erkennen ließ.   

Nach einer ungemein abwechslungsreichen Lesung bot sich dem interessierten Beobachter die gleiche Szenerie wie nach der Lesung mit Finn-Ole Heinrich im Oktober. Zahlreiche Achtklässler umringten den Kölner Autor, um noch ein wenig mit ihm über die Gefahren des Internets zu sprechen und ihre neu erworbenen Bücher signieren zu lassen.

 

Text: Lothar Wiesemann

Fotos: Sven Junker

7.11.2014