Wie es dazu kam, dass Klara von einer Dame mit Bart gejagt wurde

Frank Reifenberg präsentierte den ersten Band seiner „Schattenbande“ / Vier Taschendiebe im Berlin der 20er-Jahre begeistern Fünftklässler

Schiebermütze, Knickerbocker und Dreck unter den Fingernägeln: Das ist Klara Schlapp. Dass sie ein Mädchen ist, hält sie vor ihren Mitmenschen geheim. Die sind ohnehin nicht so gut auf sie zu sprechen, denn Klara ist eine talentierte und äußerst erfolgreiche Taschendiebin. Ohne Klaras moralisch eher fragwürdiges Tun hätten es ihre drei Kumpels Otto, Paule und Lina im Berlin der 1920er Jahre freilich noch schwerer zu überleben. Nachdem es ihnen gemeinsam gelungen ist, aus dem Waisenhaus auszubüchsen, leben sie versteckt in einer alten Schreinerei und halten sich mit Diebstählen über Wasser. Da sie sich nur ungern von der Polizei bei ihrer Tätigkeit stören lassen, lautet das Motto der selbst ernannten „Schattenbande“: „Wir sind die Schatten, schnell und schlau, keiner sieht sie je genau.“

Dass Taschendiebstähle indes auch ihre Risiken bergen und selbst Klara nicht vor Schwierigkeiten gefeit ist, macht Autor Frank Reifenberg zu Beginn seiner Lesung den versammelten Fünftklässlern des Eltviller Gymnasiums rasch klar. Angelockt hatte sie die perlenbesetzte Handtasche der vor ihr trippelnden älteren Dame, schließlich lugte ein Geldbeutel deutlich daraus hervor. Ein kleiner Handgriff schien zu reichen, und schon wären die hungrigen Mitglieder der „Schattenbande“ fürs Erste gesättigt. Doch als Klara die Geldbörse herausziehen möchte, scheint sie festgenäht zu sein. Und als ob das nicht genug wäre, entpuppt sich die ältere Dame als verkleideter Wachtmeister, der sofort zu einer Verfolgungsjagd ansetzt. Nur mit Mühe kann Klara entkommen.

Nicht unbedingt besser ergeht es zur gleichen Zeit Klaras Kompagnon Otto Karwuttke. Er findet eine soeben ermordete russische Großfürstin am Tatort und wird selbst verdächtigt, der Mörder zu sein. Dass die Großfürstin zuletzt noch mit großer Mühe das Wort „Soljanka“ über die Lippen brachte, macht die Sache für die anderen Mitglieder der „Schattenbande“ nicht leichter. Sie müssen nun die Polizei von Ottos Unschuld überzeugen.

Angesichts dieses spannenden Plots war es nicht verwunderlich, dass die Fünftklässler dem Wahl-Kölner Frank Reifenberg an den Lippen hingen. Zum Vergnügen von Lesefest-Initiatorin Sabine Stemmler machte sich das auch bei der anschließenden Fragerunde bemerkbar. Der mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnete Reifenberg musste die Fünftklässler schließlich stoppen, um noch Zeit für das abschließende Schreiben der Autogramme zu finden.

Text: Lothar Wiesemann

Fotos: Gaby Rauch

24.9.2014