„Kafka wollte nicht berühmt sein“

Alois Prinz las Jahrgangsstufe Q 3 aus seiner Kafka-Biografie vor / Schwieriges Verhältnis zu Frauen

 

Franz Kafka ist ein Schriftsteller, der zu Lebzeiten fast unbekannt war. Das war dem Autor der „Verwandlung“ durchaus recht. Im Gegensatz zu vielen anderen Schriftstellern schrieb er nur für sich, nicht für ein Publikum. Dies wurde den Schülern der Jahrgangsstufe Q 3 anlässlich einer Lesung mit dem Kafka-Biografen Alois Prinz im Rahmen des Lesefestes Rheingau-Taunus verdeutlicht. So stellte Prinz gleich zu Beginn fest: „Franz Kafka würde wahrscheinlich in Grund und Boden versinken, wenn er wüsste, dass Sie in der Schule über ihn schreiben müssen. Ihm wäre das peinlich.“

 

In seinem Vortrag, den er mit einigen Ausschnitten aus seiner Biographie würzte, widmete sich Prinz dem Lebenslauf eines Schriftstellers, der nicht den Anspruch hatte, mit seinen Werken die Leser zu unterhalten. Im Gegenteil: „Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Eis in uns“, zitierte ihn Prinz, der während seines Vortrags von mehreren Schülern unterstützt wurde. Benedict Bachmann, Jasmin Söngen und Marie Specht lasen Auszüge aus Kafkas Briefen und Werken, während Sven Kauzmann den Beamer bediente.

 

Prinz eröffnete den Oberstufenschülern einen höchst privaten Blick auf den weltberühmten Schriftsteller. Er zeigte ihn im Kreis seiner Familie, seiner Freunde und der Frauen, die er liebte - darunter Felice Bauer, Milena Jesenská und Dora Diamant. Zur Sprache kam natürlich auch sein problematisches Verhältnis zum eigenen Vater, dem er einen ausführlichen Brief schrieb, den er indes nie abschickte. Hermann Kafka gibt er darin eine Mitschuld für die misslungene Emanzipation vom Elternhaus, die sich u.a. darin ausdrückte, dass er gleich zwei Verlobungen mit Felice Bauer auflöste. Überhaupt war Kafkas Verhältnis gegenüber Frauen alles andere als einfach. Erst gut ein Jahr vor seinem Tod lernte der an Lungentuberkulose leidende Kafka bei einer Kur Dora Diamant kennen, mit der er im September 1923 einen eigenen Hausstand in Berlin gründen sollte -  in der Stadt, die für ihn bereits zuvor als Symbol einer möglichen Befreiung von der ihn einengenden Familie gedient hatte. Doch die Krankheit sollte ihm einen Strich durch die Rechnung machen. Aufenthalte in verschiedenen Sanatorien folgten, ehe er im Alter von nicht einmal 41 Jahren am 3. Juni 1924 im Sanatorium Kierling bei Klosterneuburg starb. Seinem Freund Max Brod ist es zu verdanken, dass sein umfangreicher Nachlass nicht verbrannt wurde, sondern veröffentlicht werden konnte.

 

Alois Prinz´ Lesung kommt das Verdienst zu, den Oberstufenschülern die komplexe Persönlichkeit Kafkas auf äußerst anschauliche Weise näher gebracht zu haben.   

 

Lothar Wiesemann (Text)

Sven Junker (Fotos)

16.9.2013