„Ich kenne keine Schreibblockade“

Autorin Hortense Ullrich las aus ihrem neuen Roman „How to be really bad“. Sechstklässler erhielten Einblick in Schreibprozess


Da schickt der Teufel seine Tochter Lillith extra auf die Erde, damit sie endlich Manieren lernt, und dann passiert das Unvermeidliche: Kaum ist sie als vermeintliche Austauschschülerin aus Nebraska bei der Familie Birnstein angekommen, entwickelt sie doch tatsächlich höchst irdische Gefühle gegenüber Sam, was die attraktive Jungteufelin in Turbulenzen bringt. Schließlich ist es in ihrem System nicht vorgesehen, sich zu verlieben. Wie Lillith versucht, diese Hürden zu umschiffen, schildert Hortense Ullrich in ihrem neuen Jugendbuch „How to be really bad“, das sie im Rahmen des Lesefests Rheingau-Taunus am Wiesweg der Jahrgangsstufe sechs vorstellte. Dabei behandelt sie ganz nebenbei Themen, die die Sechstklässler auch vom alltäglichen Zusammenleben mit der Familie kennen. So versucht sich Lillith beispielsweise mit  besonders raffinierten Mitteln dagegen zu wehren, ihr Zimmer aufzuräumen, was ihr der Vater, immerhin Chef der Hölle, allerdings nicht durchgehen lässt.

   

Ähnliche Probleme wie Lillith hat auch Jojo, die Protagonistin in Ullrichs Jugendbuch „Liebe macht blond“. Sie ist in Eberhard verknallt, einen locker-lässigen Typen, der scheinbar nur Blondinen mag. Nachdem sie ihrem Traumtypen vor die Füße gestolpert ist, beschließt sie daher, sich ihre Haare zu färben. Dumm nur, dass auf diese Idee danach noch viele andere Mädels kommen, die sich ebenfalls in Eberhard verliebt haben. Die Erfolgsautorin – sie hat bereits über drei Millionen Bücher verkauft – erzählt Jojos Geschichte auf eine dermaßen witzig-charmante Art, dass die Sechstklässler ihr Kichern kaum unterdrücken können. Gebannt hängen sie an den Lippen der Sechsundfünfzigjährigen, die das augenscheinlich genießt und bereits ihre nächste Frage in Richtung Publikum abfeuert: „Wie könnte es nach Jojos erster Begegnung und der Verabredung mit Eberhard wohl weitergehen?“ Zahlreiche Finger recken sich in die Höhe, verschiedenste Vorschläge werden binnen weniger Minuten gesammelt. Ullrich ist dann auch sehr zufrieden: „Ihr habt Superideen!“, lobt sie die Sechstklässler. Die wollen noch jede Menge von der Wahl-Bremerin wissen. Ob sie denn z.B. immer auf Knopfdruck gute Ideen habe, fragt ein Schüler. Ullrichs Antwort: „Ich kenne keine Schreibblockade, wollte immer Journalistin werden und habe viel Spaß am Schreiben. Wenn ich mich wirklich mal festgebissen habe, mache ich etwas ganz anderes, gehe z.B. spazieren oder gucke TV. Aber das kommt selten vor.“ Eine Schülerin will von der Autorin wissen, ob ihre Bücher wirklich auf wahren Begebenheiten beruhen würden. Ullrich bejaht dies. So basiere Jojo auf ihrer Tochter Allyssa. Die habe sich beispielsweise wie Jojo auch einmal geweigert, eine Großpackung Toilettenpapier vom Supermarkt nach Hause zu transportieren.  Und in ihrem Werk „Schlaflos in Hamburg“, das sie gemeinsam mit Allyssa geschrieben hat, gebe sie ebenfalls sehr persönliche Einblicke in ihr Familienleben. Erst bei nochmaligem Lesen sei ihr aufgefallen, dass das Buch „zu 90% stimmt“, sagt Ullrich. Beim Publikum kam sie jedenfalls sehr gut an, was der reißende Absatz bewies, den ihre Autogrammkarten fanden.

 

 

Lothar Wiesemann (Text)

Lilli Ringsdorf (Fotos)

10.09.2013