Im islamistischen Netzwerk gefangen

Autorin Agnes Hammer stellte den Schülern der Einführungsphase ihren Thriller „Regionalexpress“ vor / Brisantes Thema

Unter welchen Umständen geraten Jugendliche in die Fänge islamistischer Gruppierungen? Auf welche Weise radikalisieren sie sich dort, sodass sie sogar bereit sind, Anschläge gegen  vermeintlich „Ungläubige“ durchzuführen? Nachdem 2007 vier junge Männer der „Islamischen Jihad-Union“ (besser bekannt als „Sauerland-Gruppe“) aufgeflogen waren, die sich auf einen größeren Anschlag vorbereitet hatten, nahmen diese und ähnliche Fragen breiten Raum in den Medien ein. Angeheizt wurde die Diskussion, als sich im Mai radikale Islamisten in Bonn eine Straßenschlacht mit Anhängern einer rechtsradikalen Kleinpartei sowie der Polizei lieferten, bei der zwei Polizisten schwer verletzt wurden. Grund genug für die Fachschaft Deutsch am Gymnasium Eltville, diesem brisanten Thema Raum zu geben, und so konnte die Autorin Agnes Hammer im Rahmen des Lesefestes dazu gewonnen werden, den Schülern der Einführungsphase ihren neuen Thriller „Regionalexpress“ vorzustellen. 

Die 1970 geborene Germanistin, die vor zwei Jahren das renommierte Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendium erhalten hat, thematisiert darin die Geschichte des jungen Max, der einem türkischen Jungen namens Adil gegen Rechtsradikale zu Hilfe eilt. Danach schließen die beiden rasch Freundschaft. Max ist fasziniert von Adils Gottvertrauen und seiner tiefen Überzeugung, dass alles einen Sinn hat. So folgt er seinem neuen Freund, als dieser ihm vorschlägt, eine kleine Moschee in Düsseldorf zu besuchen. Dort hören sie die Predigten des Imam Mohammad. Max ist zutiefst fasziniert, nimmt Koranunterricht und lernt Arabisch. Bereits nach wenigen Wochen konvertiert er zum Islam. Schritt für Schritt reift in ihm die Erkenntnis, als Werkzeug Gottes auserwählt zu sein, um gegen die „Ungläubigen“ zu kämpfen. Doch was wäre ein solcher Thriller ohne einen Gegenspieler? Kemper ist Beamter des Verfassungsschutzes. Er observiert Max und Adil. Noch komplizierter wird die Situation, als sich Paula, Max´ Schwester, in Adil verliebt und der ihre Gefühle erwidert.

Mit ihrem spannenden Plot verstand es die Autorin, deren Roman von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur zum Buch des Monats September im Bereich Jugendliteratur gekürt worden ist, die Oberstufenschüler in ihren Bann zu ziehen und damit dem Thema die Aufmerksamkeit zu sichern, die es verdient.

In der sich anschließenden Fragerunde nahm die Schriftstellerin auch Stellung zu der Frage, aus welchen Quellen sie ihre detaillierten Kenntnisse über den Islamismus bezieht. Sie kenne selbst einige radikale Islamisten, müsse aber betonen, dass nicht jeder von ihnen gleich Bomben bastele bzw gewaltsam gegen „Ungläubige“ vorgehen wolle, wie dies bei Adil und Max der Fall sei. Lang anhaltender Applaus bewies der Autorin zum Abschluss, dass ihr Thema die Schüler erreicht hat.

Abschließend sollte auf Folgendes hingewiesen werden: Am Gymnasium Eltville gilt die aus der Fußballersprache abgewandelte Losung, dass nach der Lesung vor der Lesung ist. So wird Nicole Steyer der Q 1 am 12. November ihren neuen historischen Roman „Die Hexe von Nassau“ vorstellen, ehe sie tags darauf den Achtklässlern „DJ Stolen“ präsentieren und damit das Thema der Internetkriminalität in den Focus rücken wird. Für die Organisation der angesprochenen Lesungen möchten wir uns wie immer bei der  Organisatorin des Lesefests Rheingau-Taunus, Sabine Stemmler, bedanken, mit der unsere Schule seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeitet.

 

Lothar Wiesemann