"Iason und Mia sind wie meine Kinder"

Kim Winter besuchte das Gymnasium Eltville und stellte ihren Debütroman „Sternenschimmer“ vor / Achtklässler genossen musikalisch untermalte Lesung

Das Atrium des Gymnasiums ist abgedunkelt. Leise ertönt eine geheimnisvolle Musik. Rund 100 Achtklässler sitzen gespannt auf ihren Stühlen und lauschen. Handelt es sich etwa um die Aufführung eines neuen Theaterstücks? Falsch – die Schüler hören der Jugendbuchautorin Kim Winter zu, die ihnen gerade ihren Debütroman „Sternenschimmer“ vorstellt und dabei eine besonders spannende Stelle vorliest, in der Mia, die 17-jährige Protagonistin, zusammen mit einem Referendar in ein Tierversuchslabor einbricht, um dort fotografisch zu dokumentieren, unter welch unwürdigen Bedingungen Tiere gehalten werden, um für Experimente zur Verfügung zu stehen. Dass dieser Einbruch nicht ganz ohne Komplikationen verläuft, ist nicht verwunderlich.

Doch der Reihe nach: Mia lebt in Kim Winters Roman nicht in der Gegenwart, sondern in ferner Zukunft auf der Erde. Unser Planet hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Es existiert nur noch ein eingeschränkter Lebensraum für die Menschen. Unterschiedliche Nationen und Währungen gehören der Vergangenheit an. Alle fühlen sich einer Gemeinschaft zugehörig, weshalb schon lange Frieden herrscht. Als auf dem benachbarten Planeten Loduun plötzlich Krieg ausbricht, finden einige Bewohner Zuflucht auf der Erde. Die hilfsbereite Mia entscheidet sich sofort dazu, den Flüchtlingen zu helfen und unterstützt sie, wo sie nur kann. Dabei lernt sie Iason kennen und lieben. Obwohl die beiden so verschieden sind, fühlen sie sich auf merkwürdige Art und Weise zueinander hingezogen. Es entwickelt sich eine ungewisse Liebe auf Zeit, deren Schwierigkeiten Kim Winter einfühlsam hervorhebt. So ist es für Mia gar nicht so leicht, ihren Iason zu erobern. Die Bewohner des Planeten Loduun sind nämlich sehr rationale Wesen. Sie haben keine Phantasie, und auch die Liebe ist ihnen unbekannt. Da ist es kein Wunder, dass Winters Roman den Anfang einer Trilogie bildet, deren zweiter Teil demnächst ebenfalls bei Thienemann erscheinen soll.

Nach der Lesung stand Kim Winter für Fragen der Schüler zur Verfügung. Dabei bekannte sie, dass sie selbst durchaus kein Fan von Science Fiction sei. In erster Linie sei sie einfach an fremden Kulturen und dem Umgang mit ihnen interessiert, und das sei das zentrale Thema ihres „Erstlings“. Ihre Charaktere sind der sympathischen Wiesbadenerin dabei stark ans Herz gewachsen: „Iason und Mia sind wie meine Kinder“, gesteht sie auf die Frage einer Schülerin, welche Figur sie besonders möge.

Für das Schreiben benötige man im Übrigen „viel Disziplin“. Sie sitze jeden Tag zwischen acht und zehn Stunden am Schreibtisch. Zugleich sei sie aber sehr dankbar: So habe sie großes Glück gehabt, dass sie als Debütantin gleich bei einem renommierten Jugendbuchverlag wie Thienemann habe veröffentlichen können.

Abschließend möchte sich die Schule besonders herzlich bei der Bücherstube Lauer bedanken, die anlässlich des Welttages des Buches den Besuch von Frau Winter gesponsert hat.

Lothar Wiesemann