„Kein Gipfel ist das Leben wert“

Südtiroler Bergsteiger Jochen Hemmleb stellte mit Maja Nielsen das Sachbuch „Mount Everest“ vor / Sechstklässler bombardierten ihn mit Fragen

Mit einer Autorenlesung des Südtiroler Alpinisten Jochen Hemmleb ist das von Sabine Stemmler betreute Lesefest am Gymnasium Eltville fortgesetzt worden. Im schön gestalteten neuen Atrium verstand es der sympathische Geologe gemeinsam mit Buchautorin Maja Nielsen, die Jahrgangsstufe 6 auf eine Zeitreise in das Jahr 1999 mitzunehmen – auf eine Exkursion in die atemberaubende Landschaft des Himalaya, unterwegs zum höchsten Berg der Welt, dem Mount Everest.

Anschaulich schilderte Hemmleb seine Erlebnisse auf dem Mount Everest. Seiner Gruppe gelang es unter abenteuerlichen Umständen, den seit 1924 verschwundenen britischen Himalaya-Pionier George Mallory aufzuspüren. Zwei Jahre später wiederholten sie ihre Expedition und entdeckten dabei weitere Spuren des Besteigungsversuches. Trotzdem blieben auch nach diesen erfolgreichen Exkursionen zahlreiche Fragen unbeantwortet: War Mallory, der gemeinsam mit dem ebenfalls verschollenen Andrew Irvine unterwegs gewesen war, tatsächlich der Erstbesteiger des höchsten Bergs der Erde? Die Kamera, die Mallory in der Regel mit sich führte, wurde nicht gefunden. Hatte er sie Andrew Irvine übergeben, der den Ruf eines Technikers besaß? Und unter welchen Umständen sind die beiden Bergsteiger genau ums Leben gekommen? Fragen über Fragen, die auch Hemmleb (noch) nicht beantworten konnte. Die von ihm geleiteten Exkursionen haben indes viel zur Erforschung der ersten Everest-Expedition beigetragen, wovon sich der Leser u.a. bei der Lektüre des von Maja Nielsen geschriebenen Sachbuchs „Mount Everest“, erschienen erstmals 2006 im Gerstenberg-Verlag, ein Bild machen kann.

In der sich anschließenden Fragerunde platzten die Schüler förmlich vor Neugierde. Ein Sechstklässler wollte beispielsweise wissen, ob er bei der Besteigung des Mount Everest Angst gehabt habe. Hemmleb bejahte dies entschieden: „Wenn jemand als Bergsteiger keine Angst hat, ist er entweder ein Lügner oder dumm.“ Eindringlich fügte er hinzu: „Es ist einfach, ein guter Bergsteiger zu werden. Es ist die hohe Kunst, als guter Bergsteiger alt zu werden.“ Trotzdem merkte man Hemmleb an, dass ihn „sein“ Berg nicht loslässt: „Nach Andrew Irvine suche ich weiterhin.“ Und so ist es nicht ausgeschlossen, dass ihn der Mount Everest schon bald wieder rufen wird.

Wer gedacht hatte, dass sich die Schüler nach dem Ende der Lesung rasch in alle Winde zerstreuen würden, sah sich zum großen Vergnügen der anwesenden Pädagogen getäuscht Bis weit in die Pause hinein belagerten zahlreiche Sechstklässler den Südtiroler Alpinhistoriker und die prominente Autorin, um ihnen weitere Fragen zu stellen und sich ein Autogramm zu sichern. Kann es einen schöneren Beleg für eine erfolgreiche Veranstaltung geben?


Lothar Wiesemann

White Horse Theatre spielt im neuen Atrium

In der letzten Schulwoche des ersten Halbjahres wurde unser neugestaltetes und frisch renoviertes Atrium mit drei Aufführungen des Londoner „White Horse Theatre“ eingeweiht. Noch am Morgen malten Handwerker eine Wand an, und die letzte Tür wurde in die Bühnenrückwand eingesetzt, als schon die 200 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 6 und 7 auf den nagelneuen Polsterstühlen saßen und das Unterstufenstück erwarteten. Zu Beginn jeder der drei Aufführungen dankte Herr Dr. Juras, der Fachsprecher Englisch am Gymnasium Eltville, den Handwerkern und Hausmeistern („We have the best Hausmeisters of the world“) für die rechtzeitige Fertigstellung des Theaterraumes.

„The Weasel in the Sack“ - Das Unterstufenstück

In liebevoll gestaltetem Bühnenbild und Kostümen im Stil der Pekingoper führten vier junge englische Schauspieler das Märchen „The Weasel in the Sack“ von Peter Griffith auf, die Geschichte eines armen, verachteten Findelkindes („She is only a silly girl“), das dank seinem Mut und seiner Lauterkeit ein Dorf vom bösen Drachen, die Stiefmutter von der Armut und die Stiefbrüder von ihrer Bosheit und Eitelkeit befreit.

Die eitlen Brüder Algernon und Marmeduke werden von der Mutter verwöhnt, während die Stiefschwester Fred die schwere Arbeit tun muss und von ihren Brüdern verachtet wird („She is only a silly little girl“).
 
Zur Strafe für ihre Bosheit werden Algernon und Marmeduke in einen Sack gesteckt und von den Schülern des Gymnasiums Eltville gekitzelt.

„Lip Gloss“ - Das Mittelstufenstück

Elaine und Juliet werden von dem eitlen Musikproduzenten Clive entdeckt.

Elaine und Juliet könnten unterschiedlicher nicht sein: Elaines Eltern haben nicht einmal genug Geld, um Elaine die Klassenfahrt zu bezahlen, Juliet hingegen hat reiche Eltern und geht zum Ballettunterricht. Zufällig lernen sich beide Mädchen bei einem Talentwettbewerb kennen und beschließen, gemeinsam Musik zu machen. Kurz darauf werden sie von Clive, einem Musikproduzenten, entdeckt, der sie unter seine Fittiche nimmt und ihre Karriere als Pop-Duo 'Lip Gloss' fördert. Elaine und Juliet werden bald berühmt, doch hinter den Kulissen kommt es immer wieder zum Streit zwischen den grundverschiedenen Mädchen...

Lip Gloss ist ein sozialkritisches Stück, das mit viel Humor und Popmusik die Vorurteile zwischen den Gesellschaftsschichten thematisiert.

Nur schwer akzeptieren Juliets Upper Class Eltern, dass ihre Tochter sich mit der Tochter eines Arbeitslosen zusammengetan hat.

„The Shape of Things“ - Das Oberstufenstück

Um der Kunststudentin Evelyn zu gefallen hat Adam sich sogar einer Schönheitsoperation unterzogen.

Einer ernsten und durchaus schwierigen Thematik widmete sich das Oberstufenstück „The Shape of Things“ von Neil LaBute, einem der bedeutendsten amerikanische Gegenwartsdramatiker, dessen Stücke seit mehreren Jahren auch zum Repertoire vieler Theater in Deutschland gehören. Ein junger Student schlittert in eine sich ständig verändernde Beziehung zu einer Kunststudentin, während die Verlobung seines besten Freundes bröckelt. Anhand der sich entwickelnden Beziehungsdramatik untersucht LaBute durchaus schmerzhafte Fragen wie: Wie weit würde man für die Liebe oder für die Kunst gehen? Was wäre man bereit zu ändern? Welchen Preis wäre man bereit zu zahlen?

Besonders beeindruckend war, dass die englischen Schauspieler das amerikanische Stück komplett im ihnen nicht angeborenen Standardamerikanisch aufführten, welches sie während ihres Schauspielstudiums in der Drama School erlernen müssen, um auch überzeugend in Übersee-Charaktere schlüpfen zu können.

Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe verfolgten das anspruchsvolle Stück im bis auf den letzten Platz besetzten Atrium mit großer Aufmerksamkeit und Konzentration.

Erst am Ende wird Adam klar, dass er für Evelyn lediglich Gegenstand eines psychologisch-ästhetischen Menschenversuchs war.
Nach allen drei Aufführungen stellten sich die vier englischen Schauspieler den Fragen der Zuschauer und beantworteten diese geduldig und mit viel Enthusiasmus.

Nach der Aufführung: Verleihung der Cambridge Certificates

Die Aufführung des „White Horse Theatre“ bildete auch in diesem Jahr wieder den Rahmen für die Ehrungen derjenigen Schülerinnen und Schüler, die sich im Rahmen mehrerer Arbeitsgemeinschaften auf die Prüfungen der verschiedenen Stufen der Cambridge Certificates vorbereitet hatten. Zusammen mit den betreuenden Lehrern Frau Bendinger und Herrn Bäcker sowie Fachsprecher Herrn Dr. Juras überreichten die englischen Schauspieler am Ende des Oberstufenstücks den Absolventen ihre Urkunden.

Gemeinsam mit den betreuenden Lehrkräften Frau Bendinger und Herrn Bäcker präsentieren die erfolgreichen Teilnehmer der Cambridge-Certificate-Kurse ihre Urkunden.