„Ich hatte schreckliche Lehrer“

Sabine Ludwig liest im Rahmen des Lesefests aus ihrem Buch „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft!“ / Gut gelaunte Autorin plauderte aus dem Nähkästchen


Als Sabine Ludwig ihr Buch „Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft!“ zur Hand nimmt, wird es leise im Saal. Gebannt verfolgen die rund 80 Fünftklässler, darunter auch Organisatorin Sabine Stemmler vom Lesefest, an diesem Montagvormittag die Schilderungen der Erfolgsautorin. Und es ist ja auch wirklich zu komisch, was sie da auf höchst unterhaltsame Weise vorliest, während sie immer wieder den Blickkontakt zu ihrem Publikum sucht und dieses mit Zwischenfragen einbezieht. Welchem Sechstklässler passiert es denn auch, dass er seine verhasste Mathelehrerin, in diesem Fall die humorlose Frau Schmitt-Gössenwein, auf eine Größe von exakt 15,3 Zentimeter schrumpft und sich dann verzweifelt überlegen muss, wie er diese Aktion wieder rückgängig machen kann? Für Felix Vorndran (der unter seinem Namen entsprechend leidet) stellt dies die Realität dar, denn nachdem er eine „6“ in der Mathearbeit kassiert hat, bezeichnet er seine Lehrerin als „alte Hexe“ – nicht ahnend, dass diese seine Tiraden hört und ihn zur Rede stellen will. Als sich der verzweifelte Schüler dann vorstellt, dass seine Lehrerin nun am besten ganz klein werden sollte, passiert das Unglaubliche – sein Wunsch geht in Erfüllung, und fortan muss er sich Gedanken darüber machen, wie er „Schmitti“ wieder auf Normalmaß bringen kann. Hinzu kommt die Frage, was er in der Zwischenzeit mit der ihm anvertrauten Lehrerin machen soll – und das noch in den Ferien!



Zwischen den höchst engagiert vorgetragenen Passagen nahm sich Sabine Ludwig viel Zeit, auf die zahlreichen Fragen der neugierigen Fünftklässler einzugehen. Dabei stellte sich heraus, dass ihr Buch eine reale Vorlage hat, nämlich die Rheingau-Oberschule in Berlin-Friedenau, die Ludwig als Schülerin besucht hat. Sie wirke genau so trist wie der im Buch als „Klotz“ beschriebene Bau des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums, das Felix besuchen muss. Dass sie selbst einmal zeitweise als Lehrerin für Deutsch und Französisch gearbeitet hat, stieß auf das Interesse der Gymnasiasten. „Ich hatte schreckliche Lehrer und wollte es selbst besser machen“, gab die Schriftstellerin freimütig zu, betonte aber, dass sie dabei letztlich gescheitert sei. Dass sie Autorin geworden sei, verwundere sie manchmal selbst ein wenig. „Ich wollte eigentlich nie Autorin werden, da ich das Schreiben von Aufsätzen immer gehasst habe.“ Auch nach über zwanzigjährigem Schreiben habe sie immer noch Angst davor, dass ihr plötzlich die Ideen ausgehen könnten. Zumal der Druck auf Seiten der Verlage allgegenwärtig sei, möglichst viele Bücher zu veröffentlichen.

 

Lesungen sollen die Schüler dazu ermuntern, neugierig auf Bücher zu werden und mit dem Schmökern zu beginnen. Leuchtende Schüleraugen am Ende der Veranstaltung beweisen: Sabine Ludwig ist dies an diesem Montagvormittag vollauf gelungen.


Lothar Wiesemann